Es wird vermutet, daß das Wort Kanu aus dem karibischen Raum stammt. Ende des 15. Jahrhunderts sahen die spanischen Entdecker erstmals die kleinen Boote, die die Eingeborenen “Canagua” nannten. Daraus entwickelte sich das spanische Wort “Canoa”. Davon abgeleitet ist das deutsche Wort “Kanu”, das englische Wort “Canoe” und das französische “Canot” entstanden.
Das “Ur -Kanu” wurde am Rande der Euphratdeltas im Grab eines sumerischen Königs gefunden. Es wird auf ca. 6000 Jahre geschätzt.
Heute steht das Wort “Kanu” als Oberbegriff für “Kajak” und “Canadier”.
Der Reiz des Kanuwandersport liegt darin, sich an Orten zu bewegen, die nicht für jeden zu erreichen sind. Dies geschieht im Einklang mit der Natur unter umweltverträglichen Gesichtspunkten. Kanuwandersport ist vielseitig: Entspannen, Bewegen und Belasten, Kräfte sammeln, Entdecken und Abenteuer, Ruhe und Erholung. Paddeln auf Seen, Flüssen und dem Meer. Kennenlernen fremder Länder und Menschen. Kurz: ein Leben unter selbstgewählten Bedingungen, abseits von Streß und Hektik, alleine oder mit der ganzen Familie.
Der Kanuwandersport bietet heute die letzten Möglichkeiten, in der Freizeit ursprünglicher Natur zu begegnen.
Der Wunsch des Menschen auf schwimmenden Gegenständen das Wasser zu überqueren ist uralt. Die Notwendigkeit solcher Wasserfahrzeuge zum Jagen oder Fischen und Transportieren sorgte schon sehr früh für die Entwicklung von Booten. Damals wurden Kanus zum Überleben benutzt, heute finden diese Boote während der Freizeit ihre Verwendung.
Als “Lumpenkreuzer” wurden die ersten mit Tuch bespannten offenen Boote bezeichnet, die Anfang des 20. Jahrhunderts den Weg von Amerika nach Deutschland fanden.
Die Zusammenlegbarkeit ermöglicht einen einfachen Transport des Bootes, wodurch sich das Faltboot besonders als Expeditions- und Wasserwanderboot eignet. In Rucksäcken verpackt läßt sich mit dem Faltboot jeder Punkt der Erde erreichen.
Übrigens: der Siegeszug des Faltbootes fand 1936 seinen Höhepunkt, als das ständig weiterentwickelte Sportgerät Aufnahme als olympische Disziplin fand.
Die Ursprünge des Kanus finden sich bei den Indianern Nordamerikas, die des Kajaks bei den Eskimos. Aber man sollte sich nicht mit dieser historischen Verkürzung zufrieden geben.
Zahlreiche Autoren erklären den Engländer Mac Gregor nach seiner Europarundreise mit seinem Rob Roy 1865 in Paris zum Vater des modernen Kanus. Um so besser für ihn, der Ruhm der Nachwelt ist ihm gewiß.
Aber müssen wir uns bereits mit diesem Etikett zufrieden geben? In der Juliausgabe 1933 der Zeitschrift „La Rivière“ (der Fluss) veröffentlicht Emile Dacier einen Auszug aus dem Tagebuch von Pierre Mervault. Dieser, Sohn des Artilleriemeisters von La Rochelle bei der Belagerung durch Cardinal Richelieu im Jahr 1627, erzählt, dass die Belagerten am Ende ihres Widerstandes versuchen, Unterstützung bei den Engländern zu finden, um die Blockade ihrer Stadt zu sprengen: „Der Bürgermeister versuchte, zwei Männer in einem Boot, wie die Wilden es fahren, durch die Palisade zu schleusen…“
Die offizielle Premiere war also alles andere als eine Vergnügungsfahrt. Die Vorgeschichte des Kajaksport ist tragisch.
Unsere historische Reise setzt sich im Kleinvenedig von Ludwig XIV im Park von Versailles fort. Der Entwicklung der Pelzverarbeitung folgend, errichten Kanada-Franzosen 1750 in Trois-Rivières, im Gebiet Montagnais, eine Fabrik zur Herstellung großer Kanus, genannt „Maitre (Meister)“. Später, nördlich des Oberen Sees (Lake Superior), werden die Rabascas, dieser berühmten großen Kanus der Nord-West Compagnie, hergestellt.
Ein Händler bringt eines diesen Kanus aus der Fabrik in Trois-Rivières nach Frankreich und schenkt es seinem Gönner, einem Höfling bei König Ludwig XIV. Der Handel floriert unter seinem Förderer, Ludwig XV, aber 1756 während des siebenjährigen Krieges flaut er wieder ab.
Ludwig XV, wäre also der erste Paddler, bzw. die treibende Kraft zu Kanufahrten auf dem Kanal von Versailles. Ein wahrer Pionier.
Das erste Patent für ein Faltboot, in dem Fall ein Kanadier, wird 1869 in den Vereinigten Staaten angemeldet. Die frühen ersten amerikanischen Kanus sind faltbar, jedoch nicht zerlegbar. Die Armatur ist akkordeonförmig, das Boot wird nach dem Prinzip des Blasebalgs gefaltet. 1904 gibt Charles Prelle, ein aus den Vereinigten Staaten zurückkehrender Bayer, den Startschuss für die „Ohio“ mit einem Stechpaddel angetrieben, wie bei den heutigen Rafts. Manche können sogar bis zu 16 Personen aufnehmen. Sie werden von den Münchnern benutzt, wenn sie sonntags auf der Isar spazieren fahren.
1906 meldet der Deutsche Alfred Heurich das Patent eines Faltbootes an, das aus Segeltuch und langen Stäben besteht, die ineinander gesteckt werden. Mit einer Länge von 4,30 m und einer Breite von 0,50 m wirkt dieses Boot zart und instabil. Er ersetzt es später durch ein breiteres Boot.
Die Geschichte der Rosenheimer Klepper Faltboote begann 1907, als der Rosenheimer Schneidermeister Johann Klepper von Alfred Heurich, dem Urvater des Faltboots, die Lizenz zur Alleinfabrikation des Bootstyps “Delphin” erwarb. Klepper, geboren 1868, hatte im Betrieb seiner Eltern das Schneiderhandwerk erlernt und den Schneiderbetrieb um eine Sportabteilung erweitert. Fasziniert von einem Bericht über die Fahrten Heurichs mit einem zerlegbaren Boot, lieh sich der begeisterte Sportler Klepper das wacklige Wassergefährt von dem Studenten aus und paddelte von Rosenheim nach Wasserburg. Spontan entschoß sich der innovative Jungunternehmer daraufhin, auf dem Dachboden seines Hauses eine Faltbootwerft einzurichten. Viele Änderungen waren nötig, um aus dem instabilen Wasserfahrzeug aus Rattan- und Bambusstäben ein benutzerfreundliches und sicheres Serienboot herzustellen, wie es heute von Klepperfans in aller Welt geschätzt wird.
Mit der Gründung der Klepper Faltbootwerft GmbH 1919 begann eine Welle des Erfolges. Als Hans Klepper das Unternehmen 1929 von seinem Vater übernahm, hatten Klepper-Faltboote die Weltführung übernommen. Bis zu 90 Boote aus neunfachverleimten Birkensperr- und massivem Eschenholz, bespannt mit mehrfach imprägnierter Baumwolle wurden in Spitzenzeiten täglich in der Rosenheimer Werft handgefertigt. Klepper avancierte mit 3000 Arbeitnehmern zum größten Arbeitgeber Rosenheims.
Der Arzt Dr. Hannes Lindemann überquert 1956 in einem Klepper-Faltboot den Atlantik. Dr. Lindemann machte Schlagzeilen, LIFE widmete ihm eine Titelstory. Er wollte im Selbstexperiment erforschen, wie sich die Überlebenschancen von Schiffbrüchigen vergrößern ließen. Sein für die Faltbootfahrt entwickeltes Trainingsprogramm übernahmen später die amerikanischen Astronauten.
Zusammengetragen von Manfred Eder
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